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Geschichte des Gutshofes

Mit der feierlichen Eröffnung am 22. Oktober 2009 und damit verbunden mit der offiziellen Übergabe des "neuen" Gutshofes in seine Verwendung wird eine mehr als 90-jährige Erfolgsgeschichte fortgesetzt.

Blickt man auf die Anfänge unseres Gutshofes zurück, so war es in den Wirren des Ersten Weltkrieges, genauer gesagt im Oktober 1916, als sich die Stadt entschied, eine kommunale Ökonomiezu errichten.

In Folge der Kriegsjahre war es auch in Wiener Neustadt zu tiefgreifenden Veränderungen in den Lebensbedingungen der Bewohner, und damit auch zu Schwierigkeiten in der Lebensmittelversorgung, gekommen.

Wie keine andere Stadt Niederösterreichs hatte Wiener Neustadt während des ersten Weltkrieges große Veränderungen in der Bevölkerung zu verzeichnen. Durch die Musterungen und die nachfolgenden Einberufungen mussten einerseits viele Männer die Stadt verlassen, andererseits schlugen zahlreiche Flüchtlinge und Angehörige des Heeres ihre Wohnstätten in und um das Stadtgebiet auf.

In vielen Gebäuden wie etwa im Auhof, in der Jubiläumsschule oder der Taubstummenanstalt wurden Verwundete einquartiert. Tausende Menschen, die in der Kriegsindustrie der Stadt - vorwiegend in der Munitionsfabrik - Arbeit fanden, mussten ebenfalls untergebracht werden.

Durch den zahlreichen Zuzug war die Bevölkerungszahl rasch über 62.000 angestiegen und das Versorgungsproblem der Bevölkerung mit Nahrungsmittel gestaltete sich immer schwieriger.

Um eben diese Schwierigkeiten in der Lebensmittelversorgung zu beseitigen, beschloss der Gemeinderat am 27. Oktober 1916 den Ankauf einer Ökonomie.

Schon einige Monate nach der Gründung der Ökonomie erwarb die Stadtgemeinde weitere Realitäten in der Stadlgasse. Rund 40.000 Quadratmeter wurden angekauft, um den Ökonomiebetrieb auszubauen.

Fast genau ein Jahr nach der Gründung der Ökonomie wurde der Betrieb im Oktober 1917 neuerlich erweitert. Die Gemeindeverwaltung beschloss, das Katzelsdorfer Schlossgut (bei Frohsdorf) zu pachten. Besitzer des Schlossgutes war der Herzog von Madrid (Don Jaime de Bourbon). Insgesamt handelte es sich um eine Fläche von 149 Hektar.

Der Schlossgarten wurde in eine Gärtnerei umgewandelt - wo vor allem Salat angebaut wurde. Eine Bienenzucht und eine Hühnerzucht brachten darüber hinaus satte Erträge.

Die "Städtische Ökonomie" überstand den ersten Weltkrieg und im Jahre 1922 pachtete die Stadtgemeinde Fischreviere an der Fischa und am Kanal. Die Fische gelangten in einem Geschäftslokal in der Lange Gasse 4 und bei einem Stand am Hauptplatz, dem sogenannten Fischplatz, zum Verkauf.

1925 erfolgte eine Trennung des ursprünglichen Betriebes in städtische Ökonomie und in Fischerei und Teichwirtschaft der städtischen Ökonomien. Noch im selben Jahr entschieden sich die Verantwortlichen das Gut in Katzelsdorf aufzulassen.

Hingegen kaufte die Gemeinde in der Umgebung von Wiener Neustadt einige Äcker an, um darauf u. a. Roggen, Weizen, Gerste und Mais anzubauen.

Im Jahre 1930 wurden die erwerbswirtschaftlichen Betriebe, die bis dahin als selbstständige Einheiten geführt wurden, unter eine einheitliche Leitung gebracht und in das neu gegründete Unternehmen "Stadtwerke" eingegliedert

1933 wurde der Ökonomiebetrieb von der Stadlgasse in die Neudörfler Straße verlegt, wo sich der städtische Gutshof bis zum Jahre 2007, eingegliedert in der Wiener Neustädter Stadtwerke und Kommunal Service GmbH, befand.

Auf Grund strategischer und operativer Überlegungen, aber nicht zuletzt auf Grund der Notwendigkeit dem Faktor Mensch und Maschine eine zeitgemäße, effiziente und moderne Einrichtung zur Verfügung zu stellen, entschlossen sich die Eigentümer für einen Neubau des Gutshofes am heutigen Standort.

Das Anforderungsprofil des heutigen Gutshofes hat sich doch im Laufe seines Bestehens deutlich gewandelt. Von der einstigen Grundsicherung der Bevölkerung mit Lebensmittel, stellt sich der "heutige" Gutshof erfolgreich den neuen Herausforderungen und Anforderungen die es zu bewältigen gibt.

Auf einer Fläche von rund 340 Hektar Ackerland werden Raps, Mais, Weizen, Gerste, Erbsen und Triticale --> eine Getreidezüchtung aus Weizen und Mais, angebaut.

Zukünftig wird die Bedeutung von nachwachsenden Rohstoffen noch mehr an Bedeutung gewinnen. Bereits jetzt beliefert der Gutshof die AGRANA mit dem Ertrag von 25 Hektar Triticale aus dem in weiterer Folge Bioethanol gewonnen wird.

Eine weitere wichtige Aufgabe ist die extensive Bewirtschaftung - also ohne Kunstdüngereinsatz - der Wiener Neustädter Wasserschutzgebiete.

Darüber hinaus werden rund 35 Hektar von Natura 2000 Gebieten im Bereich der Civitas Nova bewirtschaftet bzw. gepflegt.

In Zusammenarbeit mit unserer Abfallwirtschaft werden bis zu 3.000 Tonnen Kompost pro Jahr produziert. Unmittelbar damit verbunden sind Einsparungen beim Kunstdünger und in letzter Konsequenz kann eine deutliche Verbesserung der Qualität des Steinfelder Bodens, erwirkt werden.

Ein weiterer und wichtiger Aufgabenbereich des Gutshofes ist die Landschaftspflege – die gesamten Mäh- und Baumschneidearbeiten im Akademiepark der Theresianischen Militärakademie werden von Mitarbeitern des Gutshofes erledigt.

Überdies ist der Gutshof am Winterdienst der Stadt beteiligt. So werden rund 60 Straßenkilometer im Musikantenviertel und in der Leithakolonie betreut.

Mit Oktober 2009 wurden die Bauarbeiten hier am neuen Gutshof abgeschlossen. Der Standort ist optimal inmitten der meisten zu bearbeitenden Ackerflächen. Mit der Übergabe und Inbetriebnahme dieses neuen und modernen Gebäudes wurde den Ansprüchen der heutigen Zeit Rechnung getragen.

Insbesondere wurden für den Bau des Gutshofes rund 655 Kubikmeter Beton und rund 53 Tonnen Stahl auf einer Fläche von rund 1.000 Quadratmetern verarbeitet.

Die bebaute Fläche umfast die Getreidehalle mit Lagerboxen zur Getreidespeicherung und der Saatgutaufbereitungsanlage. Darüber hinaus ist das Gebäude mit modernen Büro-, Aufenthalts- und Sanitätsräumen ausgestattet.